Diät & Essen

Treiben Eier den Cholesterinspiegel in die Höhe?


Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel ist bereits 2017 erschienen. Wir haben ihn aktualisiert und wünschen informative Unterhaltung.


Nicht mehr als zwei Eier pro Woche solle man essen, lautet ein gängiger Ratschlag. Die Begründung klingt auf den ersten Blick einleuchtend. Das Ei ist reich an Cholesterin – einem Stoff, der im Blut in größeren Mengen das Risiko für verkalkte Arterien und damit auch für Schlaganfall und Herzinfarkt erhöht. Aus diesem Grund könne ein hoher Eierkonsum das Herz gefährden, so die Warnung.

Generell hat das Cholesterin aus dem Ei und der Nahrung aber nur einen geringen Einfluss darauf, wie viel des Stoffs im Blut zirkuliert. Grund dafür ist ein ausgeklügelter Stoffwechsel, der bei einem gesunden Menschen die Cholesterinmenge in Schach hält.

Cholesterin – wichtiger Baustein der Hormone

Cholesterin zählt, trotz des schlechten Rufs, zu den lebensnotwendigen Stoffen für den menschlichen Körper, ohne geht es nicht. Das Molekül ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Membran unserer Körperzellen, es bildet auch das Grundgerüst vieler Hormone. Zu seinen Abkömmlingen zählen unter anderem der Entzündungshemmer Kortison und die Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen.

Damit der Nachschub stimmt, stellt der Körper Cholesterin zum Großteil selbst her. Kommt noch Cholesterin aus der Nahrung hinzu, vermeiden gleich zwei Sicherheitsmechanismen ein Überangebot: Zum einen drosselt der Körper sofort seine eigene Produktion, wenn der Darm eine größere Cholesterinaufnahme aus der Nahrung meldet. Zum anderen ist die Aufnahme über den Darm begrenzt. Liefert das Eierfrühstück zu viel Cholesterin, scheidet der Körper das Überflüssige einfach wieder aus. „Es ist als Gesunder deshalb quasi unmöglich, Cholesterin über die Nahrung zu überdosieren“, sagt Christian Prinz, Direktor der Helios Klinik für Gastroenterologie in Wuppertal.

Neben den Mechanismen, die vor einer Überdosis aus der Nahrung schützen, weisen auch viele Studien am Menschen darauf hin, dass der Genuss von Eiern Herz und Kreislauf nicht gefährdet. Im Jahr 2013 etwa fassten chinesische Forscher die Ergebnisse von 17 Untersuchungen zusammen, die den Eierkonsum sowie koronare Herzerkrankungen und Schlaganfälle erfasst hatten. Ihr eindeutiges Fazit: Selbst wer mehr als ein Ei am Tag isst, erkrankt nicht häufiger als Eierablehner.

Aufgrund von Untersuchungen wie dieser strich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 2017 sogar den Hinweis, dass Eier nur in Maßen konsumiert werden sollten, aus ihren zehn Regeln für gesunde Ernährung. Gerade, als sich alle einig waren, kamen im März 2019 jedoch Forscher bei einer Studie mit knapp 30.000 Amerikanern zum Schluss, dass Eieresser doch häufiger am Herzen erkranken – die Effekte waren aber gering.

Erhöhter Cholesterinspiegel: Dann lieber Eierverzicht

Klar ist, dass es keinen Freibrief für Menschen gibt, die schon einen erhöhten Cholesterinspiegel und damit ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall haben. Die Ursachen für hohe Cholesterinwerte sind vielfältig, neben genetischen Faktoren können Übergewicht, Diabetes, bestimmte Medikamente oder eine Schilddrüsenunterfunktion dazugehören. „Die Betroffenen sind zum Teil dünne Heringe ohne Übergewicht“, sagt Prinz.

Zwar macht auch bei ihnen das Cholesterin aus der Nahrung nur einen kleinen Anteil des Gesamtcholesterins aus, doch Gastroenterologe Prinz sagt: „Dann ist es wichtig, keine Exzesse zu leben. Ein Frühstücksei am Sonntag ist aber erlaubt.“ Umgekehrt lasse sich ein zu hoher Cholesterinspiegel aber nicht allein durch eine strikte Diät kontrollieren, sagt Prinz. Selbst wer neben Eiern komplett auf cholesterinhaltige Lebensmittel wie Shrimps, Lachs oder Salami verzichtet, kann die Werte je nach Veranlagung lediglich um zehn bis 15 Prozent senken.

Menschen, die cholesterinmäßig nicht vorbelastet sind, können jedoch guten Gewissens mit Rührei und bunten Ostereiern ihren Ei-Appetit stillen. Denn neben reichlich Cholesterin und Kalorien liefern Eier dem Körper auch hochwertige Proteine, wichtige Mineralien und Vitamine. „Vor allem für Kinder bietet das tägliche Frühstücksei eine gute Basis“, sagt Prinz. „Die enthaltenen B-Vitamine zum Beispiel sind wichtig für die neuronale Entwicklung.“ Das Ei, es ist besser als sein Ruf.

Fazit: Das Cholesterin aus Lebensmitteln wie Eiern hat nur einen geringen Einfluss darauf, welche Mengen des Stoffs im Blut zirkulieren. Menschen mit einem sowieso schon zu hohen Cholesterinspiegel sollten trotzdem selten cholesterinreiche Speisen essen. Alle anderen dürfen’s sich schmecken lassen.

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