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Knutschen kann krank machen


Gonorrhö, auch Tripper genannt, kann offenbar nicht nur durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, sondern auch durch Zungenküsse. Das berichten australische Wissenschaftler als Erkenntnisse ihrer Studie im Fachblatt „Sexually Transmitted Infections“. Tripper zählt weltweit zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Aufklärungskampagnen empfehlen zum Schutz bisher vor allem den Gebrauch von Kondomen.

Jedes Jahr stecken sich nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 78 Millionen Menschen mit Gonorrhö an. Europaweit sind es fast fünf Millionen. In Deutschland gibt es nur in Sachsen eine Meldepflicht. Dort registrierte das Robert Koch-Institut binnen acht Jahren eine Verdoppelung der Ansteckungen: von 6,8 Infektionen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2003 auf 13,7 Infektionen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2011. Aktuellere Daten liegen nicht vor.

Blutvergiftung und Unfruchtbarkeit

Ausgelöst wird Gonorrhö durch Bakterien der Art Neißeria gonorrhoeae, auch Gonokokken genannt. Sie befallen vor allem die Schleimhäute der Harnwege und Geschlechtsorgane, aber auch Augenbindehaut, und Rachen. Meist dauert es nach einer Ansteckung ein bis drei Tage, bis erste Symptome auftreten. Männer entwickeln oft eine schmerzhafte Harnröhrenentzündung mit eitrigem, gelb-grünlichem Ausfluss. Auch bei Frauen kann Gonorrhö die Harnwege befallen und sich von dort aus weiter ausbreiten.

Auch wenn die Krankheit im Normalfall nicht tödlich verläuft, kann sie mitunter Komplikationen wie Blutvergiftungen und Unfruchtbarkeit verursachen. Außerdem erhöht die Infektion das Risiko einer HIV-Übertragung. Seit einigen Jahren warnt die WHO davor, dass Gonokokken zunehmend resistent gegen Antibiotika werden.

Bisher ist bekannt, dass Gonorrhö sich über genitalen und oralen Geschlechtsverkehr sowie bei einer Geburt übertragen kann. Die neue Studie deutet nun darauf hin, dass eine Ansteckung auch bei Zungenküssen droht. Die Wissenschaftler um den Epidemiologen Eric Chow konzentrierten sich auf die oropharyngeale Gonorrhö, welche den Mund- und Rachenraum befällt. Diese verläuft meist asymptomatisch, also zunächst ohne Beschwerden. Dadurch kann die Infektion ohne das Wissen des Erkrankten an andere weitergegeben werden.

Erhöhtes Risiko beim Küssen mit wechselnden Partnern

Insgesamt werteten die Forscher Fragebögen von knapp 3100 homo- und bisexuellen Männern aus, die zu sexuellen Praktiken während der vorigen drei Monate befragt wurden: Küssen ohne Sex, Sex ohne Küssen und Küssen mit Sex. Gut sechs Prozent der Befragten litten an einer Gonorrhö im Rachenraum, knapp sechs Prozent waren im Analbereich erkrankt und knapp drei Prozent im Harntrakt.

Die Auswertung ergab, dass das Risiko einer Gonorrhö des Rachens für jene Küssen-ohne-Sex-Männer, die vier oder mehr Partner hatten, um 46 Prozent höher war als bei jenen, die nur einen oder keinen Mann küssten. Die Studienteilnehmer, die Küssen mit Sex verbanden und vier oder mehr Partner hatten, waren sogar um 81 Prozent stärker gefährdet als diejenigen, die nur einen oder keinen Partner hatten.

Vor allem junge Männer waren betroffen, da diese den Autoren zufolge mehr küssten als die älteren Teilnehmer. Wie genau sich die Männer beim Knutschen mit Gonorrhö angesteckt haben könnten, kann die Studie nicht aufklären. Welche Rolle Oralsex spielen könnte, bleibt ebenfalls unklar, da diese sexuelle Praktik nicht gesondert erfasst wurde.

Auch Chlamydien und Syphilis sind so übertragbar

Dennoch deute die Studie darauf hin, dass die Bedeutung der Rachen-zu-Rachen-Infektion einer Gonorrhö unterschätzt werde: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Küssen mit oder ohne Sex ein Risikofaktor für oropharyngeale Gonorrhö sein könnte“, schreiben die Forscher.

Norbert Brockmeyer, der Präsident der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit, stimmt den Ergebnissen der Studie zu und warnt auch vor anderen Risiken. Die Übertragbarkeit durch Küssen gelte nicht nur für Gonokokken, sondern etwa auch für Chlamydien und die Erreger der Syphilis. „Auch wenn man nur knutscht, kann man sich eine sexuell übertragbare Infektion einfangen“, sagt der Mediziner.

Wie kann man sich beim Küssen vor der Übertragung von Erregern schützen? Darüber sind sich die Experten uneins. Die australischen Forscher schlagen in ihrer Studie vor, dass „präventive Optionen fernab von Kondomen wie etwa antibakterielle Mundspülungen“ helfen könnten. Brockmeyer hält das für keine gute Idee. Zum einen würden sich Gonokokken systemisch im Körper verbreiten, so dass eine Mundspülung nichts nütze. Zudem veränderten Mundspülungen das Mikrobiom im Rachenraum. Der Experte warnt: „Das macht den Mund dann empfänglicher für andere Erreger.“

Zusammengefasst: Auch beim Küssen können Geschlechtskrankheiten übertragen werden. Für Chlamydien und Syphilis ist das schon länger bekannt. Nun gehen australische Forscher davon aus, dass sich Menschen beim Küssen auch mit Gonorrhö, besser bekannt als Tripper, anstecken können. Laut Schätzungen infizieren sich in Europa jedes Jahr fünf Millionen Menschen mit Tripper. Der Erreger lässt sich immer schwerer mit Antibiotika bekämpfen.

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