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Rauchen: Kann man sich mit E

Dampfen statt Qualmen: Kommt man so vom Tabak weg? (Symbolbild)

Wer sich das Rauchen abgewöhnen will, muss nicht nur die körperliche Abhängigkeit überwinden, sondern vor allem die psychische: Keine Kringel mehr pusten, keine Pausenzigarette mehr, kein genüssliches Qualmen beim Glas Wein. Oder? Seit der Erfindung von E-Zigaretten setzen viele Raucher darauf, nicht auf alle Gewohnheiten verzichten zu müssen. Die Hoffnung ist die langsame Entwöhnung: Erst der Umstieg vom Rauchen zum Dampfen, dann schließlich die völlige Abstinenz.

Doch ganz so einfach ist es offenbar nicht, jedenfalls nicht bei allen Rauchern. Eine aktuelle Studie im Fachmagazin »Jama« kommt zu dem Schluss, dass Raucher, die sich per E-Zigarette vom Tabak lossagen wollten, ein Jahr später häufiger rückfällig geworden sind als diejenigen, die gleich ganz aufs Rauchen verzichteten.

Also doch alles nur ein PR-Coup der E-Zigarettenfirmen? Auch das lässt sich nicht so einfach sagen.

Die »Jama«-Langzeitstudie bezog sich auf Daten aus der »Population Assessment of Tobacco and Health« (PATH)-Studie, die im Auftrag der National Institutes of Health (NIH) und der Food and Drug Administration (FDA) die Auswirkungen des Tabakrauchens auf die Gesundheit der Bevölkerung in den USA untersucht. Anhand der Ergebnisse will die FDA eine strengere Regulierung von Tabakprodukten ausarbeiten. Insgesamt 49.000 Menschen ab zwölf Jahren nehmen an der Studie teil.


Die US-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten nun eine repräsentative Stichprobe von 13.604 Raucherinnen und Rauchern aus der PATH-Studie. In einem Zeitraum von zwei Jahren befragten sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu ihrem Rauchverhalten.

Dabei kam heraus, dass 9,4 Prozent der Befragten aufgehört hatten, Tabakzigaretten zu rauchen. 22,8 Prozent von ihnen sind auf E-Zigaretten umgestiegen. Ein Jahr später wurden sie erneut befragt: 62,9 Prozent waren weiterhin tabakfrei, der Rest hatte wieder angefangen zu rauchen.

Die Hälfte schaffte es mit kompletter Abstinenz

Das Wissenschaftlerteam um John Pierce vom Moores Cancer Center in San Diego wollte nun wissen, ob den Nichtrauchern die Entwöhnung leichter mithilfe von E-Zigaretten gefallen ist oder mit völliger Abstinenz. Von den Studienteilnehmern, die E-Zigaretten als Umstiegshilfe genutzt haben, hatten es nach einem Jahr 41,6 Prozent geschafft, komplett mit dem Rauchen aufzuhören. Von denjenigen, die komplett auf jegliche Nikotinprodukte verzichtet hatten, schafften es am Ende 50,5 Prozent, abstinent zu bleiben.

Die Ergebnisse legen also nahe, dass der sogenannte kalte Entzug womöglich der effektivere Weg ist, um langfristig mit dem Rauchen aufzuhören.

Experten äußerten sich gegenüber dem britischen »Science Media Center« jedoch kritisch über die Studie und deren Interpretation. Peter Hajek, Direktor der »Tobacco Dependence Research Unit« an der Queen Mary University in London, bemängelte, dass außer Acht gelassen werde, dass Raucher, die zum Aufhören eine Umstiegshilfe verwenden, häufig viel abhängiger sind als Raucher, die sich für den kalten Entzug entscheiden.


Die sehr abhängigen Raucher hätten ohnehin eine viel höhere Rückfallrate. »Wenn überhaupt, deutet die Studie darauf hin, dass der Konsum von E-Zigaretten die Tabakabhängigkeit beseitigt, anstatt einen Rückfall zu verursachen«, sagt Hajek. »Das deckt sich mit anderen Belegen dafür, dass E-Zigaretten ein wirksames Hilfsmittel sind, um mit dem Rauchen aufzuhören. Raucher, die mit dem Rauchen aufhören möchten, sollten nicht davon abgehalten werden, E-Zigaretten auszuprobieren.«

Die Studienlage zum Nutzen von E-Zigaretten bei der Tabakabstinenz sei insgesamt umstritten, schreibt das »Ärzteblatt«. Auch die Ergebnisse randomisierter Studien seien nicht eindeutig. Nach einer Meta-Analyse der Cochrane Collaboration könne der Wechsel auf E-Zigaretten die Chancen auf eine erfolgreiche Abstinenz erhöhen, vor allem, wenn dieser mit einer psychologischen Beratung kombiniert werde.


Eine andere Meta-Analyse, die 64 Studien zu dem Thema untersucht hat, kommt wiederum zu dem Ergebnis, dass E-Zigaretten keinen Nutzen bei der Rauchentwöhnung haben, wenn sie selbst gekauft werden. Werden sie jedoch kostenfrei als Therapeutikum zur Verfügung gestellt, zeigte sich ein Erfolg.

Die Daten zeigen, dass E-Zigaretten offenbar nicht der Königsweg zum Nichtraucher sind, in einigen Fällen aber helfen können.

Was mittlerweile gut untersucht ist, sind die schädlichen Substanzen, die auch E-Zigaretten enthalten: Rund 2100 verschiedene Substanzen wurden in den Liquids mit Tabakaroma nachgewiesen, darunter Koffein, Weichmacher, Flammschutzmittel und kondensierte Kohlenwasserstoffe.

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