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Corona-Pandemie: So effektiv waren die Gegenmaßnahmen in Deutschland

Über Wochen hinweg bestimmten unterschiedliche Corona-Präventionsmaßnahmen massiv das Leben der Bürger in Deutschland.

Dadurch sollte eine rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus verhindert und das Gesundheitssystem entlastet werden.

Befürchtete Infektionswelle blieb bisher aus

Nun zeigt sich: Die befürchtete Welle der Covid-19-Infektionen ist in Deutschland glücklicherweise bislang weitgehend ausgeblieben; die Todesrate im Vergleich zu anderen Ländern gering.

Da die prophezeiten Zahlen bei weitem nicht eingetreten sind, werden nun Stimmen lauter, die infrage stellen, ob die getroffenen Maßnahmen des Shutdowns in der Stärke überhaupt nötig waren.

Wie effektiv waren die Lockdown-Maßnahmen?

Genau an diesem Punkt hat das Forscherteam um Jonas Dehning vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen angesetzt und die Wirkung der Maßnahmen anhand der Fallzahlen überprüft.

Den Wissenschaftlern kommt bei ihrer Arbeit zugute, dass die Einschränkungen in Deutschland in drei zeitlich getrennten Schritten eingeführt und das öffentliche Leben parallel dazu heruntergefahren wurde.

Dadurch kann für jede Maßnahme nachvollzogen werden, ob diese wirksam war, zur Reduktion der Übertragungsrate beigetragen und so die Neuinfektionen eingedämmt hat.

Corona-Shutdown in vier Phasen unterteilt

Innerhalb ihrer Studie, die im Fachjournal ‚Sciene‘ veröffentlicht wurde, werteten die Forscher die registrierten Covid-19-Fallzahlen in Deutschland für vier Phasen aus:

  • vor Einführung der Maßnahmen
  • nach der Absage öffentlicher Veranstaltungen (um den 8. März)
  • nach der Schließung von Kitas, Schulen, Unis und vielen Geschäften (um denn 16. März)
  • nach der Kontaktsperre (ab 22. März)

Um ein möglichst realitätsgetreues Bild zeichnen zu können, wurden eine Meldeverzögerung von fünf bis sechs Tagen bis zum Auftreten von Symptomen sowie die Zeitspanne von zwei bis drei Tagen bis zu den Testergebnissen berücksichtigt.

Kennzahlen für Forscher entscheidend

Anschließend ermittelten die Göttinger Wissenschaftler die Ausbreitungsrate des Virus anhand unterschiedlicher Kennzahlen, darunter die Reproduktionsrate sowie die Wachstumsrate.

Die Reproduktionsrate gibt an, wie viele Personen ein Infizierter ansteckt. Liegt sie bei eins, steckt jeder Infizierte eine weitere Person an. Unter eins geht die Zahl der Neuansteckungen zurück.

Die Wachstumsrate zeigt, ob sich mehr Menschen anstecken oder mehr gesund werden. Ist sie größer als Null, steigen die Zahlen exponentiell. Ist sie kleiner, werden mehr Personen gesund als krank.

Corona-Maßnahmen zeigen messbare Wirkungen

„Unsere Analyse zeigt deutlich die Wirkung der unterschiedlichen Maßnahmen, die letztendlich gemeinsam eine starke Trendwende gebracht haben“, resümiert Forschungsgruppenleiterin Viola Priesemann in einer Mitteilung zur Studie.

Der erste große Wendepunkt ereignete sich laut den Studienergebnissen ungefähr ab dem 7. März. „Das stimmt mit der Absage aller großen öffentlichen Veranstaltungen wie Fußballspiele überein“, heißt es weiter.

Die zweite erkennbare Abstufung erfolgte um den 16. März und „passt zu der Schließung von Bildungseinrichtungen und einigen Geschäften“. Diese Maßnahme senkte die Wachstumsrate auf knapp über Null.

Schließlich folgte der dritte Einschnitt am 24. März, welcher mit dem Inkrafttreten des dritten Maßnahmenpakets – der weitreichenden Kontaktsperre – übereinstimmt.

„Während die ersten beiden Änderungspunkte nicht ausreichten, um einen Rückgang der Neuinfektionen auszulösen, brachte die dritte Maßnahme diese entscheidende Umkehrung“, resümieren die Wisenschaftler.

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Einschränkungen waren im Kampf gegen Corona nötig

Die Ergebnisse sprechen für sich: Die Eindämmungsmaßnahmen zeigten alle eine konkrete, messbare Wirkung.

Gleichzeitig betonen die Wissenschaftler in ihrer Arbeit, dass die Kombination aller getroffenen Maßnahmen nötig war, um die exponentielle Verbreitung von SARS-CoV-2 letztendlich zu stoppen.

Im Klartext bedeutet das: Der Shutdown der letzten Wochen hat gewirkt. Ohne die getroffenen Maßnahmen hätte sich das Virus auch hierzulande deutlich schneller und unkontrollierbarer ausgebreitet.

Auswirkungen der Lockerungen zeigen sich langsam

Für die nächsten Wochen und Monate bedeutet das für die Bürger: durchhalten und möglichst weiterhin Abstand wahren. Sonst könnte eine zweite Infektionswelle drohen.

Eine genaue Vorhersage, wie es nun weitergeht, kann aber niemand treffen. Denn die Änderungen in der Ausbreitung des Virus zeigen sich erst mit einer starken Verzögerung.

„Die ersten Effekte der Lockerungen vom 20. April sehen wir erst seit Kurzem in den Fallzahlen“, erklärt Michael Wilczek vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation.

„Und bis wir die Lockerungen vom 11. Mai bewerten können, müssen wir ebenfalls zwei bis drei Wochen warten.“

Es ist weiterhin Vorsicht geboten

Eines ist jedoch sicher: Damit die Infektionsrate weiterhin in einem kontrollierbaren Rahmen bleibt, darf das Virus jetzt nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

“Wenn alle Personen weiterhin sehr vorsichtig sind, und die Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter effektiv greift, und gleichzeitig alle neuen Infektionsherde früh aufgespürt und eingedämmt werden, dann können die Fallzahlen weiterhin sinken“, resümiert Priesemann.

„Wie genau sich die Zahlen in der Zukunft entwickeln, hängt also entscheidend von unserem Verhalten, dem Einhalten von Abstandsempfehlungen und den Hygienemaßnahmen ab.“

Quellen

  • Dehning, J., et al. (2020): Inferring change points in the spread of COVID-19 reveals the effectiveness of interventions, abgerufen am 20.05.2020 https://science.sciencemag.org/content/early/2020/05/14/science.abb9789
  • Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbtorganisation (2020): Was bringen die Maßnahmen? Göttinger Team analysiert Epidemie-Verlauf, abgerufen am 20.05.2020 https://www.ds.mpg.de/3579066/200515_corona_science

Cornelia Bertram

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