Gesundheit

COVID-19: Hinweise auf verminderten Antikörperschutz gegen Corona-Mutationen – Heilpraxis

Corona-Antikörper können mutierte Viren schlechter hemmen

Bei einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 bildet der Körper Antikörper, die das Virus bekämpfen können. Frühere wissenschaftliche Untersuchungen deuteten darauf hin, dass nach einer durchlebten COVID-19-Erkrankung ein ähnlicher Schutz wie durch eine Impfung besteht. Doch neue Zellkultur-Studien zeigen, dass Antikörper von genesenen oder geimpften Personen mutierte Viren schlechter hemmen.

Weltweit wurden bereits mehr als 130 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 registriert (Stand: 06.04.2021). Der Großteil von ihnen hat die durch das Virus ausgelöste Krankheit COVID-19 bereits überstanden. Doch sind diese Personen jetzt immun? Nicht unbedingt gegen die verschiedenen Mutationen, die sich immer stärker verbreiten. Darauf weisen neue Untersuchungen hin.

Nur unvollständiger Schutz?

Wie das Deutsche Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ) in einer Mitteilung schreibt, versucht die Menschheit die Corona-Pandemie durch Testen und Impfen in den Griff zu bekommen. Auch wenn es länger dauert als viele gehofft hatten, wird doch davon ausgegangen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir alle geimpft und damit geschützt sind.

Allerdings arbeitet die Zeit auch für das Virus, das inzwischen mehrfach mutiert ist – die Varianten B.1.1.7 aus Großbritannien, B.1.351 aus Südafrika und P.1 aus Brasilien breiten sich schnell aus.

Diese Erreger haben Mutationen im sogenannten Spike-Protein, also der Struktur auf der Virusoberfläche, die für die Anheftung des Virus an Wirtszellen verantwortlich ist. Das Spike-Protein ist gleichzeitig auch der Ansatzpunkt für die körpereigene Immunantwort.

Antikörper, die als Antwort auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 oder eine Impfung gebildet wurden, binden an das Spike-Protein und blockieren damit das Virus.

Ein Team um Markus Hoffmann und Stefan Pöhlmann vom DPZ und Jan Münch vom Universitätsklinikum Ulm hat herausgefunden, dass die SARS-CoV-2 Varianten B.1.351 und P.1 nicht mehr durch einen Antikörper gehemmt werden, der für die COVID-19-Therapie eingesetzt wird.

Außerdem werden die Varianten weniger effektiv durch Antikörper von genesenen Patientinnen und Patienten sowie von geimpften Personen gehemmt. Daher könnten eine durchgemachte Erkrankung sowie eine Impfung gegen diese Virus-Mutanten nur unvollständig schützen.

Die Ergebnisse der Forschenden wurden in der Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht.

Mutationen könnten Impferfolg gefährden

Laut den Fachleuten dringen SARS-CoV-2-Viren in Lungenzellen ein, um sich dort zu vermehren. Damit das Coronavirus in die Zellen gelangen kann, muss es sich zunächst an die Zelloberfläche anheften. Dazu benötigt es das sogenannte Spike-Protein, welches sich auf der Virushülle befindet.

Dieses Spike-Protein ist gleichzeitig Angriffspunkt für Therapien und Impfstoffe, die darauf abzielen zu verhindern, dass sich das Virus im Körper vermehren kann.

Zu Beginn der Pandemie war SARS-CoV-2 relativ stabil, in letzter Zeit sind aber mehrere Virus-Varianten nachgewiesen worden, die sich rasch ausbreiten. Die Varianten B.1.1.7, B.1.351 und P.1, die erstmalig in Großbritannien, Südafrika sowie Brasilien beobachtet wurden, haben Mutationen im Spike-Protein, unter anderem in dem Bereich, den auch die aktuell erprobten Wirk- und Impfstoffe angreifen.

„Dies macht uns Sorgen, da die schnelle Verbreitung von Virus-Varianten, die möglicherweise nicht mehr gut durch Antikörper erkannt werden, unsere aktuelle Impfstrategie untergraben könnte“, erläutert Stefan Pöhlmann, Infektionsbiologe am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen.

Daher hat das Team um Pöhlmann und Münch untersucht, wie effektiv die mutierten Viren durch Wirkstoffe und Antikörper gehemmt werden.

Zwei Varianten weniger effektiv gehemmt

„Es zeigte sich, dass die mutierten Viren genauso gut wie das Ursprungsvirus durch Hemmstoffe blockiert werden, die den Eintritt des Virus in die Zelle verhindern und sich teilweise bereits in klinischer Erprobung befinden“, erklärt Prof. Jan Münch in einer Mitteilung.

„Die Variante B.1.1.7, die sich gegenwärtig rasant in Deutschland ausbreitet, wurde auch durch verschiedene Antikörper wirksam gehemmt, unter anderem durch Antikörper, die nach Impfung gebildet wurden. Im Gegensatz dazu war ein Antikörper, der für die COVID-19-Therapie eingesetzt wird, bei den Varianten B.1.351 und P.1 komplett wirkungslos. Zudem wurden diese Varianten durch Antikörper von genesenen oder geimpften Personen weniger gut gehemmt“, sagt der Experte.

„Der Einsatz der jetzt verfügbaren Impfstoffe ist sinnvoll und eine zeitnahe Ausweitung der Impfungen in Deutschland ist wünschenswert. Es ist jedoch möglich, dass eine Impfung oder eine überstandene SARS-CoV-2-Infektion weniger gut vor den SARS-CoV-2 Varianten B.1.351 und P.1 schützt als vor dem Ursprungsvirus.“

Die Daten von klinischen Studien müssen jetzt zeigen, in wie weit diese Befürchtung zutrifft. „Unsere Befunde machen deutlich, dass es wichtig ist, die Virus-Ausbreitung soweit wie möglich einzuschränken bis flächendeckend geimpft werden kann. Anderenfalls riskieren wir die Entstehung von neuen Varianten, die durch die gegenwärtig verfügbaren Impfstoffe nicht mehr wirksam bekämpft werden können“, so Markus Hoffmann, Erstautor der Studie. (ad)

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