Gesundheit

„Es ist nicht klar, ob eine solche Chance wiederkommt“

Viele Apotheker sehen die von Bundesgesundheitsminister JensSpahn (CDU) geplante Apothekenreform als eine Gefahr. Der Vorsitzende desDeutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker, hat am heutigen Mittwoch auf demDAV-Wirtschaftsforum erklärt, warum die ABDA trotzdem weiterhin mit Spahnzusammenarbeitet. Laut Becker ist das Rx-Versandverbot ein „aussichtslosesUnterfangen“. Durch das geplante Apotheken-Stärkungsgesetzergäben sich auch große Chancen für die Apotheker. Die Streichung des für dieApotheker so wichtigen AMG-Satzes zur Rx-Preisbindung sieht Becker allerdings auch kritisch.

Eines war DAV-Chef Fritz Becker in seiner Rede besonderswichtig: Gleich am Anfang stellte er klar, dass es nicht die ABDA gewesen sei,die das Rx-Versandverbot hat fallenlassen. Vielmehr gab er den Gesundheitspolitikerndaran die Schuld: „Die Umsetzung des Rx-Versandverbotes war und ist kaumerfolgsversprechend. Denn wenn – bei allem Respekt – führende Gesundheitspolitikerdieses nicht mit vollem Herzen unterstützen können oder wollen, wer hätte esdenn engagiert im Gesetzgebungsverfahren oder letztendlich im nächstenVerfahren vor dem EuGH verteidigt?“ Auch weil Spahn das Verbot nicht wolle, seies ein „aussichtsloses Unterfangen“. Deswegen habe die ABDA die Möglichkeitgehabt, das Verbot weiterhin gegen Widerstand einzufordern oder „mit demMinister die Chance zu ergreifen, auf anderem Wege die Gleichpreisigkeit zuerlangen“.

Immer wieder betonte der DAV-Chef die geplante Einführungvergüteter pharmazeutischer Dienstleistungen. Dies sei die Chance derApotheker, sich vom Versandhandel abzugrenzen, weil die Versender dieseniedrigschwelligen Leistungen nicht erbringen wollen würden. „Sie sindschlichtweg zu individuell und bürgernah und lassen sich damit nur schwerautomatisieren und skalieren“, so Becker. Und so erklärte er, warum die ABDAüberhaupt noch mit Spahn gemeinsam über das Apotheken-Stärkungsgesetz spricht: „Esist nicht klar, wann und ob eine solche Chance wiederkommt (…).“

Was die Gleichpreisigkeit betrifft, will das BMG mit dem Apotheken-Stärkungsgesetz dasRx-Boni-Verbot künftig im SGB V verankern – in der Hoffnung, dass es dorteuroparechtlich sicherer ist als im Arzneimittelgesetz. Der Einwand derApotheker: PKV-Patienten würden vom Boni-Verbot somit nicht erfasst, dieRx-Preisbindung wird also (zumindest teilweise) gekippt. Das kritisierte auchBecker in seiner Rede. Doch auch hier unterstrich Becker die Vorteile, die eineSGB-V-Regelung mit sich brächte: „Sollte sie vom EuGH angegangen werden, habenwir alle Chancen auf eine vehemente Verteidigung durch Bundesregierung undBundestag. Denn wer selbst innerhalb der GKV einheitliche Preis ein Fragestellt, stellt die solidarische Krankenversicherung in Frage und damit die nationaleZuständigkeit für die Versorgung.“ Dass das BMG plant, das „alte“Rx-Boni-Verbot aus dem AMG zu streichen, sieht auch Becker kritisch. Der DAVlehne dies „klar“ ab.

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