Gesundheit

Hagener Studie berechnet die Effizienz von Corona-Maßnahmen

Volkswirtschaftler:innen der Fernuni Hagen und der Universität Tübingen haben jetzt in einer Studie mit mathematischen Methoden dargelegt, wie gut die nicht-pharmazeutischen Corona-Maßnahmen weltweit funktioniert haben. Ein Ergebnis dabei: Je besser ausgestattet das Gesundheitssystem, desto effektiver der Lockdown. 

Die COVID-19-Pandemie ist nicht nur ein Gesundheitsthema. Vor allem die sogenannten nicht-pharmazeutischen Maßnahmen wie Lockdowns, Schulschließungen, Masken-Tragen und mehr haben Auswirkungen auf Wirtschaft, Bildung und viele weitere Bereiche. Nicht verwunderlich also, dass sich auch nicht naturwissenschaftlich Forschende mit den Auswirkungen der Pandemie und ihrer Bekämpfung beschäftigen.

Volkswirtschaftler:innen der Fernuniversität Hagen und der Universität Tübingen haben jetzt eine bemerkenswerte Studie veröffentlicht, die die Effizienz von Lockdown und Co. in verschiedenen Ländern unter die Lupe nimmt und miteinander vergleicht. Professor Hans-Jörg Schmerer, Leiter des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Internationale Ökonomie der Fernuniversität Hagen, hat die Studie mit dem Titel „Health Expenditures and the Effectiveness of Covid-19 Prevention in International Comparison“ gemeinsam mit seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Antonia Reinecke und Jaqueline Hansen von der Universität Tübingen jetzt in der Working Papers-Reihe des Wissenschaftsnetzwerks CESifo Network veröffentlicht.

Die Formel der Lockdown-Auswirkungen

∆LogCOVIDiw=α+β1×lockdowniw[+β2×LogHealthi] +β3×lockdowniw×LogHealthi+ [β4CVi] +τt[+γi] +εiw“ ist eine der Formeln, mit der die Wissenschaftler:innen die Auswirkungen der weltweiten Lockdowns in die universelle mathematische Sprache übersetzt haben. Die Daten zur Mortalität der COVID-19-Infektionen in 142 Ländern weltweit konnten die Forscher:innen um Schmerer so unter anderem in Korrelation mit der Härte des Lockdowns und der Ausstattung und Qualität des Gesundheitswesens stellen.

Mehr Gesundheitsausgaben korrelieren mit weniger Corona-Toten

„Je besser das Gesundheitssystem eines Landes, desto effizienter war auch der Lockdown, also umso weniger Menschen sind gestorben“, fasst Schmerer das wichtigste Ergebnis der Studie zusammen. Bei der Auswertung ihrer Daten hatten die Forscher:innen bemerkt, dass einige Staaten wie etwa Italien oder China harte Maßnahmen verhängen mussten, um Infektionszahlen zu reduzieren, während andere Länder wie Schweden oder Südkorea mit weitaus weniger strengen Maßnahmen relativ gut durch die Krise kamen. „Es erschien uns immer plausibler, dass es noch weitere Faktoren geben muss, die die Corona-Sterberate beeinflussen“, erklärt Mitautorin Reinecke. Daher habe man im Laufe der Studie die Qualität der Gesundheitssystem als Faktor miteinbezogen.

Schmerer erklärt den Effekt mit einer besseren Versorgungsleistung, die durch höhere Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben zustande kommt. „Länder mit hohen Gesundheitsausgaben haben in der Regel auch eine bessere Nachverfolgung, eine bessere Teststrategie und eine bessere Notfallversorgung.“ Es könne der Studie zufolge sogar gelingen, schwache Lockdown-Maßnahmen mit einem guten Gesundheitssystem zu kompensieren. „Aber auf der anderen Seite“, ergänzt Reinecke, „ist dieser Weg gefährlich für die Gesundheit der Bevölkerung.“

Daten aus 142 Ländern ausgewertet

Für ihre Studie konnten die Forscher:innen auf die veröffentlichten Daten von 187 Ländern seit Beginn der Pandemie zurückgreifen. Zeitlich blickten die Volkswirtschaftler:innen dabei auf den gesamten Zeitraum der sich entwickelnden Pandemie seit Dezember 2019 zurück. Da nicht alle seitdem Fälle veröffentlichten – viele erst ab März 2020 – und einige Länder keine vollständigen Daten zu täglichen Neuinfektionen und Toten verzeichneten, habe man sich bei der Studie auf die verbliebenen 142 gestützt.

Dabei normierten die Wissenschaftler:innen die Daten mathematisch, um zu einer Vergleichbarkeit zu kommen. Ziel sei es nicht gewesen, für einzelne Länder darzustellen, wer besser oder schlechter in seinen Maßnahmen gewesen sei, sondern, welche Faktoren für die Effizienz der nicht-pharmazeutischen Maßnahmen von Bedeutung waren, erklärt Schmerer im Interview mit der DAZ. „Eine gute Versorgung des Gesundheitssektors ist langfristig ein entscheidender Faktor in der Pandemie-Bekämpfung“, erklärt der Volkswirtschaftler.

Lockdown verpufft bei schwachen Gesundheitssystemen

Im Umkehrschluss habe man aus den Daten auch gesehen, dass in Länder mit schwachem Gesundheitssystem der Effekt eines schwachen Lockdowns verpuffe. Als Faktor für die Effizienz habe man die Zahl der täglichen COVID-19-Todesfälle pro eine Million Einwohner herangezogen, weil „die Zahl der Verstorbenen aus wissenschaftlicher Sicht verlässlicher ist als die Zahl der Infektionen“, sagt Hansen. „Die Infektionszahlen hängen stark von der Teststrategie eines Landes ab und gerade in Schwellenländern haben wir es mit einer hohen Dunkelziffer zu tun.“

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