Gesundheit

Höhere Impfquote, mehr Tote? Was heute anders ist als im Corona-Herbst 2020

Die vierte Corona-Welle rollt, alle Corona-Parameter sind bereits jetzt höher als vor einem Jahr – und der Winter kommt erst noch. Wie kann das trotz Impfungen sein?

Die vierte Welle entfaltet seit Mitte Oktober eine neue Wucht und das trotz erhöhter Impfquote. FOCUS Online blickt auf die wichtigsten Corona-Parameter und vergleicht sie mit Herbst 2020. Im Anschluss werden die Gründe aufgezeigt.

Die wichtigsten Corona-Parameter

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter rasant an. Wie das RKI am Sonntag mitteilte, erhöhte sich der Wert auf 149,4. Am Vortag hatte er bei 145,1 gelegen, vor einer Woche bei 106,3. Der Vergleich mit Herbst 2020 zeigt: Auch damals stieg der Inzidenzwert im Oktober rasant an, allerdings blieb er deutlicher unter dem Niveau von heute. Am 31. Oktober 2020 lag die Inzidenz nach RKI-Angaben bei 110,9, am Vortag bei 104,9 und die Woche zuvor bei 68,4. Das heutige hohe Inzidenz-Niveau wurde vergangenes Jahr erst im Dezember erreicht.

Auch die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt weiter an. Den jüngsten Angaben des RKI zufolge wurden binnen 24 Stunden 16.887 Fälle gemeldet. Der Blick auf die Grafik zeigt: Die Infektionszahlen sind im Vergleich zu Ende Oktober 2021 erhöht. Damals wurden am 31. Oktober 14.854 Neuinfektionen gemeldet.

Mehr Aussagekraft haben allerdings die Krankenhauseinweisungen von Corona-Patienten sowie die Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus. Ende Oktober 2020 wurden vom RKI in einer Woche 449 Corona-Todesfälle registriert. In den vergangenen sieben Tagen waren es 615 Covid-Tote. Der enorme Anstieg erfolgte dann im November und Dezember, mit einem Höhepunkt am 14. Januar.

Die Zahl der Corona-Patienten auf der Intensivstation gibt das DIVI-Intensivregister am heutigen Sonntag mit 1984 an, das sind 52 mehr als noch am Vortag. Derzeit sind damit 18.826 Intensivbetten belegt und nur noch 2919 Betten frei. Der Blick in den Herbst 2020 zeigt ähnliche Zahlen: Am 31. Oktober 2020 mussten 1944 Corona-Patienten auf einer Intensivstation behandelt werden.

Was den aktuellen Zustand verschärft: Damals standen mehr betriebsfähige Intensivbetten zur Verfügung. Der Grund: "Es fehlt schlicht das Personal zum Betreiben der Betten", erklärte Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters vergangene Woche. Gleichzeitig haben die Kliniken immer weniger Intensivbetten. Der Intensivmediziner sagte im Interview mit dem Deutschlandfunk im September: "Seit Beginn des Jahres sehen wir das Phänomen, dass wir immer weniger betriebsfähige Betten zur Verfügung haben. Das heißt, ein Bett, das technische Ausstattung plus Personal hat." Konkret: Derzeit sind 22.040 Intensivbetten als betreibbar gemeldet, zu Jahresbeginn waren es 26.475. Ärzte wie Pflegepersonal seien dem Notfallmediziner zufolge erschöpft. Viele würden ihre Arbeitszeit reduzieren.

Doch warum steigen alle Corona-Parameter trotz steigender Impfquote?

Offizieller Impfstart in Deutschland war der 27. Dezember 2020. Das heißt im Herbst 2020 waren außer Studienteilnehmer noch keine Menschen in Deutschland geimpft. Mittlerweile liegt die Impfquote bei 66,6 Prozent, damit sind rund 55,4 Millionen Menschen geimpft. Dennoch steigen alle Parameter. Woran liegt das?

Noch immer ist ein Drittel der Bevölkerung nicht geimpft, das sind immerhin rund 25 Millionen Menschen. "Wären alle geimpft, würden wir gar nicht von einer vierten Welle reden", war sich der Immunologe Carsten Watzl im Gespräch mit FOCUS Online bereits Anfang September sicher.

Weiterer wichtiger Punkt: Die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen (Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen oder Immunschwächen, Pflegeheim-Bewohner) wurden sehr früh geimpft. Bei ihnen lässt der Impfschutz langsam nach – sie würden jetzt die dritte Booster-Impfung benötigen. Zudem ist die aktuell vorherrschende Delta-Variante ansteckender als der Urtyp des Virus.

Hinzu kommen Impfdurchbrüche. "Je mehr Viren zirkulieren, desto mehr Infektionen und dann auch mehr Durchbrüche. Allerdings gehen Impfdurchbrüche in der Regel mit sehr milden Symptomen einher", sagt Mathias Pletz, Leiter des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Jena. Das alles kann letztlich zu mehr Todesfällen führen.

Nach wie vor gilt: Die große Mehrheit der auf Intensivstationen mit Covid-19 behandelten Menschen ist ungeimpft. Kurzfristig kann es für diesen Corona-Winter also helfen, durch Impfungen die Welle der Ungeimpften einzudämmen und mit Auffrisch-Impfungen Risikogruppen zu schützen. Insbesondere um Intensivstationen zu entlasten. Langfristig fordern Experten eine grundlegende Änderungen im Gesundheitswesen. Welche Punkte konkret lesen Sie hier. 

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