Gesundheit

HomöopaTea statt Homöopathie: Mai Thi Nguyen-Kim zerstört die Welt der Globuli

Es ist aber nicht nur ein Willkommen-zurück-Geschenk an ihre Community – sondern auch eine Kampfansage an die Welt der Homöopathie. Eine Tatsache, aus der die Moderatorin auch kein Geheimnis macht. Gleich zu Beginn der Sendung sagt sie: “Heute zerstören wir die Homöopathie.“ Und auch, wenn es zwischenzeitlich nicht danach aussieht ­– am Ende hält Mai Thi Ngyuen-Kim, was sie verspricht.

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Mai Thi Nguyen-Kim: "Die Vermittlung von Wissenschaft ist genauso wichtig wie die Forschung selbst"

Mai Thi Nguyen-Kim süßt Eistee mit Globulin statt Zucker

Aber von vorne: Weil man mit den üblichen wissenschaftlichen Fakten bei überzeugten Homöopathie-Fans nicht weit kommt, habe sich die Wissenschaftsjournalistin etwas anderes überlegt: Einen Perspektivwechsel. Was wäre, wenn man alle Aussagen zu Globuli und anderen homöopathischen Mitteln wirklich ernst nehmen würde? Natürlich nicht, ohne ein gewisses Augenzwinkern.

Der Homöopathie sollte die Lösung sein: Ein Getränk, gesüßt mit Zuckerperlen, die es auch in der Apotheke zu kaufen gibt – aber zum Preis eines normalen Eistees. Das Ziel: Nicht nur sagen, sondern zeigen, dass Globuli nichts anderes als Zucker ist. Warum das nötig ist, das zeit Ngyuen-Kim bei einer amüsanten Reise durch die Fakten rund um Homöopathie.

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“In Deutschland wird jedes Jahr über eine halbe Milliarde Euro für Homöopathie ausgegeben“, erklärt die Wissenschaftlerin – und nennt Beispiele von Politikern, die sich trotz Kritik, vor allem von Ärzten, nach wie vor für den Erhalt der Homöopathie einsetzen. Außerdem gelten Globuli und andere homöopathische Mittel vor dem deutschen Arzneimittelgesetz offiziell als Arzneimittel. “Und solange das Ganze vom Gesetzgeber ernst genommen wird, dürfen wir uns nicht wundern, dass auch Anwender es ernst nehmen“, resümiert Ngyuen-Kim.

Aber wie ernst kann man das Ganze denn nun wirklich nehmen? Im Laufe der 30-minütigen Sendung wird schnell klar: eigentlich gar nicht. Nicht nur, dass Homöopathen nicht mit Fakten, sondern mit nicht nachweisbaren Wirkmechanismen argumentieren, sie folgen auch dem Prinzip “Ähnliches mit Ähnlichem bekämpfen“. Wie unlogisch das ist, erklärt Ngyuen-Kim an einem einfachen Beispiel: “Wenn ich ein Safran-Globuli nehme und dann der Penis juckt, dann bedeutet das für Homöopathen, dass Safran gegen einen juckenden Penis hilft.“

Das Gedächtnis des Wassers in der Homöopathie

Und dann zeigt Mai Thi Nguyen-Kim, wie genau Globuli hergestellt werden: Mit einem sehr sehr sehr geringen Anteil an natürlichen Wirkstoffen wie Arnica oder Safran, der in Wasser so lange verdünnt – oder potenziert, wie Homöopathen es gerne nennen – wird, um dann auf Zuckerperlen gesprüht zu werden. Punkt. Das ist es, was wir in der Apotheke kaufen, um Schmerzen, Entzündungen und psychische Leiden zu behandeln.

“Das Gedächtnis des Wassers ist der Grund, warum Globuli wirken – ist doch auch ganz logisch“, nimmt die Wissenschaftsjournalistin eine weit verbreitete Argumentation von Homöopathen auf den Arm. Die Annahme dahinter: Das Wasser erinnert sich an die Wirkstoffe und entfaltet deshalb seine Wirkung. Blöd nur, dass das Wasser bei Globuli gar nicht mehr vorhanden ist, sondern als Nebenprodukt verdünstet wird.

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Aber was wird denn eigentlich aus dem hoch wirksamen, potenzierten Wasser? Die Frage hat Ngyuen-Kim auch den zuständigen Bezirken, Verbänden und Behörden gestellt. Die Antwort: Das Abwasser von Homöopathie-Produkten wird genauso behandelt wie “normales“ Abwasser. Das schockiert die Wissenschaftlerin dann doch: “Man kann doch nicht potenziertes Wasser voller Gedächtnis und Wirkung behandeln, als wäre es stinknormales Bodenwasser.“

Vor allem, weil Samuel Hahnemann, seines Zeichens Erfinder der Homöopathie, einst davor gewarnt hat, dass potenziertes Wasser im schlimmsten Fall sogar tödlich sein könne. Aber keine Sorge: Auf der Seite der Carstens-Stiftung, die die Erforschung von Homöopathie fördert, steht: “Homöopathie ist ein nebenwirkungsarmes Theapieverfahren“. Zwar ein Widerspruch, aber immerhin ein beruhigender.

Aber zurück zum HomöopaTea. Darf man einen Eistee herstellen, der mit apothekenpflichtigen Globuli statt mit Zucker gesüßt ist? Die Frage hat die Redaktion von “Mai Think X“ auch dem Bundesgesundheitsministerium gestellt. Und die Antwort ist eindeutig: Es gibt keinerlei Bedenken, da die Zusammensetzung als Lebensmittel eingestuft wird, das sei nichts anderes als das Koffein in der Cola.

HomöopaTea statt Homöopathie

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Spätestens jetzt wird es auch Mai Thi Nguyen-Kim zu bunt – und sie sagt nochmal deutlich, was sie von der ganzen Homöopathie-Sache hält: “Ganz ehrlich Leute, das hier ist alles lächerlich. Entweder Homöopathie wirkt und dann sollte man sie, wie jedes andere Arzneimittel auch, nicht random nehmen. Dann dürfen sie aber auch nicht einfach in die Umwelt gelangen und vor allem darf man damit dann keinen Eistee süßen. Oder – sie wirkt eben nicht.“

Den Eistee gab es wirklich in begrenzter Menge zu kaufen – unter anderem auf wirkungistwasdudrausmachst.de. Und Mai Thi Ngyuen-Kim scheint mit dem Experiment einen Nerv getroffen zu haben. Denn seit der Veröffentlichung feiern die Nutzer auf Social Media das neue Trendgetränk mit besonderem Wirkfaktor.

Damit ist der HomöopaTea zwar vielleicht noch nicht so bekannt wie die Homöopathie, aber die hat nun mal auch 200 Jahre Vorsprung. Wenn man die Fotos auf Twitter und anderen sozialen Netzwerken aber einmal genauer betrachtet, kommt man schnell zu dem Schluss: Auch der HomöopaTea scheint zu wirken – und zwar stimmungsaufhellend ­– und aufklärend.

Quelle: Mai Think X auf ZDF Neo

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