Gesundheit

Immer mehr Ärzte und Pfleger infizieren sich mit Covid-19 – und arbeiten trotzdem weiter

Die Corona-Pandemie hält Deutschland weiterhin im Würgegriff. Die Zahl der Neuinfektionen ist trotz Teil-Lockdown weiterhin hoch. Allein in den vergangenen sieben Tagen haben sich 149.060 Menschen mit dem Virus infiziert, insgesamt sind 24.125 Menschen an oder mit Covid-19 verstorben, Tendenz zuletzt steigend. Das belegen aktuelle Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI, Stand: 17.12.). Auf den Intensivstationen des Landes herrscht Hochbetrieb, die Betten werden knapp. Gleichzeitig stecken sich aber auch immer mehr Ärzte und Pflegekräfte mit dem Coronavirus an. Weil Personal in Krankenhäusern ohnehin Mangelware ist, müssen die Kräfte mancherorts trotz Infektion weiterarbeiten.

Eine Recherche der "taz" belegt, wie prekär die Lage ist. Demnach klage beinahe jedes der mehr als 60 Krankenhäuser, mit denen das Blatt gesprochen hat, über Personalnot. Das geht soweit, dass das Klinikum Niederlausitz im brandenburgischen Senftenberg sogar online nach externen Helfern sucht – idealerweise mit medizinischer Vorerfahrung. Drastische Maßnahmen in schwierigen Zeiten. Aber damit nicht genug, aktuell kümmern sich dort zwei Mitarbeiter, die selbst positiv auf Covid-19 getestet wurden, weiterhin um Corona-Patienten. Die Mitarbeiter hätten keine Symptome und aus eigenen Stücken angeboten, weiterzuarbeiten. 

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Kein Einzelfall

Die Brandenburger sind kein Einzelfall. Im Klinikum Altenburger Land in Thüringen ist demnach derzeit ebenso infiziertes Personal auf den Corona-Stationen im Einsatz, darunter Ärzte und Pfleger. Kliniken in Essen, Berlin, Bautzen und Bischofswerda gaben an, den Einsatz symptomfreier Mitarbeiter nicht auszuschließen, wenn die Not zu groß wird. Eine Corona-Infektion ist damit für Krankenhauspersonal vielerorts kein Grund mehr, dem Arbeitsplatz fern zu bleiben. 

Aber ist das wirklich eine Lösung? Einige Verbände lehnen sich dagegen auf und üben kräftig Kritik. Denn wer infiziert ist, trägt trotz aller Vorsicht auch das Risiko in sich, weitere Menschen anzustecken. Davor sind auch Ärzte und Pflegekräfte nicht gefeit. Das Personal trotz Infektion dennoch weiterarbeiten zu lassen, sei "indiskutabel und widerspricht der Quarantäneverordnung", zitiert die "taz" einen Sprecher des Ärzteverbands Marburger Bund.

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Dazu kommt, dass das Risiko, besonders schwer an Covid-19 zu erkranken, bei medizinischem Personal laut einer Studie von Epidemiologen aus Glasgow besonders hoch ist. Die Forscher hatten dafür die Zahlen von Corona-Patienten in britischen Krankenhäusern sowie die am Virus Verstorbenen angesehen – insgesamt handelte es sich um Daten von 120.000 Menschen zwischen 49 und 64 Jahren. Laut Studie hatten Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind, ein siebenmal höheres Risiko, dass eine Infektion einen schweren Verlauf nimmt als andere Berufsgruppen. Besonders betroffen ist laut Untersuchung medizinisches Hilfspersonal. Das Risiko dieser Berufsgruppe ist, so die Ergebnisse der Wissenschaftler, neunmal so hoch.

Ausnahmeregel erlaubt das Arbeiten von Infizierten

Möglich wird der Einsatz von infiziertem Personal überhaupt nur durch eine Ausnahmeregel des RKI. Krankenhäuser mit großer Personalnot dürfen Ärzte und Pflegekräfte trotz Corona-Infektion und auch Mitarbeiter, bei denen der Verdacht besteht, dass sie sich angesteckt haben, weiterhin einsetzen. Eigentlich soll das aber die absolute Ausnahme bleiben. Die Regelung soll erst dann greifen, wenn wirklich alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft wurden. Immerhin 15 der befragten Krankenhäuser gaben an, derzeit sogenannte Kontaktpersonen zu beschäftigen. Wie viele Krankenhausmitarbeiter trotz Covid-19-Infektion derzeit in Summe arbeiten, weiß keiner. Die Daten werden nicht gesammelt. 

Was man weiß: Mindestens rund 34.760 Mitarbeiter in Krankenhäusern und Praxen haben sich seit Beginn der Pandemie mit dem Virus infiziert, das belegen Zahlen des RKI. In der vergangenen Woche, schreibt die "taz", sind allein 3500 dazugekommen. Was man ebenfalls weiß: Die Personalnot ist gravierend. So zitiert das Blatt ein Statement der hessischen Main-Kinzig-Klinik, in dem in Bezug auf den Personalmangel von einer "Notlage, wie wir sie bisher noch nicht zu bewältigen hatten", berichtet wird. 

Nicht nur Krankenhäuser, auch Alten- und Pflegeheime haben an der Pandemie besonders zu knapsen. Auch in diesen Einrichtungen wird vielerorts mit positiv-getesteten Angestellten der Betrieb am Laufen gehalten. Dabei reiche ein kleiner Fehler beim Anziehen der Schutzkleidung aus, um das Virus weiterzutragen, erklärte Ludger Risse vom Bundesverband Pflegemanagement der "taz". Dass es ein Spiel mit dem Feuer ist, wurde unter anderem in einem Pflegeheim in Bremen sichtbar. Dort kam es im Oktober zu einem großen Corona-Ausbruch. Sieben Pfleger hatten dort trotz Infektion weiterhin Menschen mit geistiger Behinderung betreut. 

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