Gesundheit

Impfpassfälschungen: Apotheker sind die einsamen Sheriffs

Der Druck auf Ungeimpfte steigt. Das führt zwar wohl zu steigenden Quoten bei den Erstimpfungen, aber auch zu einer Flut an mutmaßlich gefälschten Impfpässen in der Apotheke. Obwohl dort sonst immer alles gesetzlich reguliert und maximal qualitätsgesichert stattfinden muss, herrschen bei der Verifizierung der Impfnachweise Zuständen wie im wilden Westen, wo die Apotheker wie die einsamen Sheriffs für Recht und Ordnung kämpfen, findet Apotheker Dr. Quintus Russe. Ein Gastkommentar. 

Dass das Impfen und Boostern der Weg aus der vierten Welle und der Pandemie ist, dürfte inzwischen jedem klar sein, auch wenn es nach wie vor eine beachtliche Anzahl an ungeimpften Mitbürgerinnen und Mitbürgern gibt. Durch das Ausweiten und die Kontrolle der 3G- und 2G-Regeln, die Pflicht zum Nachweis des Impfstatus mittels digitalem Impfzertifikat in einigen Bundesländern und die mögliche Einführung einer Impflicht wird der Druck auf Ungeimpfte größer, was aktuell zu steigenden Impfquoten bei Erstimpfungen, jedoch auch vermehrt zu mutmaßlich gefälschten Impfpässen in der Apotheke führt.

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Gefälschte Impfpässe

Chargenüberprüfung derzeit unbefriedigend

Wie sympathisch in diesen Zeiten der 20 Jahre alte Impfpass eines Stammkunden mit unzähligen Chargenaufklebern der verschiedensten Impfungen ist – alle von der Praxis nebenan gestempelt – , auch wenn man kurz im Wirrwarr der Etiketten und Stempel die COVID-Impfungen zum Ausstellen des digitalen Impfzertifikates suchen muss, zeigt sich beim Gegenteil. Es beschleicht einen ein anderes Gefühl bei druckfrischen Impfpässen mit lediglich zwei COVID-19-Impfungen oder irgendwelchen Impfbescheinigungen als Einlegeblätter mit abstrakten Stempeln von Impfzentren oder Ärzten von außerhalb, die zudem bereits vor Wochen oder Monaten ausgestellt worden sein sollen. Chargenaufkleber, die in den verschiedensten Versionen seit Beginn der Impfkampagne verwendet wurden, und Chargennummern, die kaum praktikabel im Apothekenalltag zu überprüfen sind. Dazu noch der apothekenübliche Vorweihnachtsansturm mit COVID-19-konformen langen Warteschlangen bis weit vor die Tür, nicht lieferfähigen Arzneimitteln und einem Apothekenteam, das in den vergangenen beiden Pandemiejahren im Auftrag der Politik bereits viele zusätzliche Aufgaben gestemmt hat und auf die wenigen Feiertage über Weihnachten hinarbeitet.

Alle Vorgänge in der Apotheke erfolgen gesetzlich reguliert und maximal qualitätsgesichert, von Plausibilitätsprüfungen über serialisierte Arzneimittelpackungen bis hin zu der übertriebenen Präqualifizierung. Nur bei den Impfpässen herrschen Zustände wie im Wilden Westen und Apothekerinnen und Apotheker kämpfen wie die einsamen Sheriffs für Recht und Ordnung. Mit Anrufen in Arztpraxen, E-Mails an Hersteller oder das Paul-Ehrlich-Institut oder den inzwischen zahllosen Postings in den sozialen Medien mit der Bitte um Verifizierung von suspekten Arzt- bzw. Impfzentrumsstempeln oder komisch wirkenden Chargenaufklebern durch Kolleginnen und Kollegen wird versucht, vom HV-Tisch aus Ordnung in das Chaos zu bringen und das für gerade mal 6 Euro pro Zertifikat.

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