Gesundheit

Negativtest bei laufender Nase? Eltern wettern wegen Corona-Regeln gegen Lauterbach

Am Freitag stimmt der Bundesrat über das neue Infektionsschutzgesetz ab. Im Vorfeld wächst in den Bundesländern und unter Eltern die Kritik an den Maßnahmen. Insbesondere die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche sich an strengere Regeln halten sollen als Erwachsene, sorgt für Unmut.

Das neue Infektionsschutzgesetz ist am 8. September im Bundestag beschlossen worden. Am Freitag muss der Bundesrat den Maßnahmen, die ab 1. Oktober gelten sollen, jedoch noch zustimmen. Bereits im Vorfeld haben drei Bundesländer angekündigt, voraussichtlich dagegen zu stimmen: Schleswig-Holstein, Bayern und Thüringen. 

Allen voran ist Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) in den letzten Tagen mit deutlicher Kritik zum neuen Maßnahmenpaket aufgefallen. Die Änderungen im Infektionsschutzgesetz seien für Schüler “katastrophal”. 

Das neue Infektionsschutzgesetz soll den Ländern die Möglichkeit geben, je nach Lage der Pandemie weitere Maßnahmen durchzusetzen. Dazu gehört unter anderem eine Maskenpflicht für Schüler*innen ab der fünften Klasse, sowie eine Testpflicht.

Strengere Regeln für Kinder und Jugendliche

Die Pläne sehen offenbar auch vor, dass Schüler:innen nach einer Corona-Infektion nicht wie Erwachsene nach fünf Tagen von der Isolationspflicht befreit sind, sondern ein offizielles negatives Testergebnis vorlegen müssen. Die Regelungen sollen bis April 2023 gelten. 

“Wir müssen Karl Lauterbach stoppen”, sagte Prien der “Bild”-Zeitung. “Die Regelung führt dazu, dass nur in die Schule zurück darf, wer im Testzentrum einen negativen Coronatest gemacht hat oder vom Arzt gesundgeschrieben wurde.”

Es sei völlig unverhältnismäßig, Schülerinnen und Schüler mitunter wochenlang wegen einer einfachen Corona-Infektion vom Unterricht auszuschließen, während alle anderen gemäß Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) nach fünf Tagen wieder ganz normal am Leben teilhaben können, sagte Prien.

Ein Blick in das “FAQ” des Bundesgesundheitsministeriums zum neuen Infektionsschutzgesetz, Stand 14.09.22, bestätigt: 

“Kinder mit Verdacht auf Corona können mit Vorlage eines negativen Selbsttests wieder am Unterricht teilnehmen. Schüler, die Corona hatten, können nach Genesung nur nach Vorlage eines bestätigten negativen Tests (z.B. in der Teststelle, in der Einrichtung unter Aufsicht) wieder in die Schule zurückkehren.”

Corona auf einer Stufe mit Pest und Cholera

Das kritisiert Ministerin Prien: 

“Schülerinnen und Schüler werden erneut schlechter gestellt als Erwachsene und Arbeitnehmer. Das neue Infektionsschutzgesetz behandelt Kinder und Jugendliche mit Corona, als hätten sie die Pest oder Cholera.”

Tatsächlich gab es eine solche Regelung vor der Corona-Pandemie nur für sehr schwere, ansteckende Krankheiten wie Tuberkulose, Diphtherie, Cholera oder Pest. 

Prien bekommt für ihre Kritik am neuen Infektionsschutzgesetz inzwischen auch Rückenwind aus anderen Bundesländern, wie die „Welt“ berichtet. Insbesondere die Tatsache, dass der bloße Verdacht auf eine Corona-Infektion ausreicht, um Schülerinnen und Schüler vom Unterricht auszuschließen, bis sie ein negatives Testergebnis vorlegen, sorgt mitunter für Unverständnis.

„Kinder und Jugendliche nicht schlechter behandeln als Erwachsene“

“Für uns ist vollkommen klar, dass Kinder und Jugendliche nicht schlechter als Erwachsene und der Schul- und Kitabereich nicht schlechter als der Rest der Gesellschaft behandelt werden dürfen”, heißt es etwa aus dem Mainzer Bildungsministerium. 

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) will verhindern, dass praktisch gesunde Kinder “wegen einer tropfenden Nase” vom Besuch der Kita oder Schule ausgeschlossen werden. Er werde am Freitag im Bundesrat zu Protokoll geben, dass Bremen die Testpflicht so eng auslegen werde, dass die “Pflicht zur Freitestung nur bei einem positiven Corona-Test eintreten würde”. 

Insbesondere die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche mit den neuen Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes strenger behandelt werden als Erwachsene, sorgt auch bei vielen Eltern für Unverständnis.

Eltern „stinksauer“ auf Karl Lauterbach

Die “Bild”-Zeitung lässt exemplarisch drei Mütter zu Wort kommen, die unter dem Titel “Eltern stinksauer auf Lauterbach” erklären, warum sie das neue Infektionsschutzgesetz für problematisch halten. 

“Ich bin es so leid. Ich arbeite im öffentlichen Dienst, dort spielt Testen keine Rolle mehr. In der Schule soll es jetzt wieder kommen. Das bedeutet, dass ich morgens wieder zu spät komme, wenn ich mit meiner Tochter zum Testzentrum muss. Wir haben Verwandte in Frankreich, die verstehen nicht, was mit uns los ist”, sagte die 44-jährige Céline S. dem Blatt. 

Sie ergänzt: “Sogar Karl Lauterbach sitzt kurz nach seiner Infektion wieder in der Bundespressekonferenz als wäre nichts gewesen. Aber Kindern will er das Leben wieder besonders schwer machen.”

Die 48-jährige Britt-Kerstin Schmitt berichtet, welche Ängste ihr Sohn aufgrund der Tests bereits in der Vergangenheit gehabt habe. “Ich verstehe nicht, warum das Gesetz jetzt noch verschärft wird. Kinder werden behandelt wie Überträger von schweren Krankheiten.”

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