Gesundheit

Oberhänsli: Hat das Edikt von Salerno heute noch Bedeutung?

Zur Rose-Chef Walter Oberhänsli zweifelt daran, ob das Edikt von Salerno noch zeitgemäß ist. „Man muss doch mal die Frage stellen dürfen, ob eine Regel, die man vor 800 Jahren für richtig gehalten hat, heute noch Bedeutung hat“, sagte er am heutigen Donnerstag beim BVDVA-Kongress. Nicht alle Diskutanten in der Runde waren auf seiner Seite.

Im Juli schockte die Akquise des Telemedizin-Anbieters Teleclinic durch die DocMorris-Mutter Zur Rose die Apotheker in Deutschland. Sie sehen das Edikt von Salerno, also die strikte Trennung zwischen Arzneimittelverordner und –distributor, durch den Deal unmittelbar in Gefahr. Auf Drängen der AG Gesundheit prüfte kürzlich das Bundesgesundheitsministerium den Sachverhalt. Das Ergebnis: Zum jetzigen Zeitpunkt sei es nicht erforderlich, einzugreifen. Man wolle aber weiter beobachten, ob die in Deutschland geltenden Regeln eingehalten werden.

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Am heutigen Donnerstag äußerte sich Zur Rose-Chef Walter Oberhänsli beim Kongress des Bundesverbands der Verandapotheken in Deutschland (BVDVA) zum Sachverhalt. Aus seiner Sicht ist es an der Zeit, eine Regel, die seit nunmehr 800 Jahren gilt, auf ihre Bedeutung in der heutigen Zeit abzuklopfen. „Die Grenzen, die man für Jahrhunderte für richtig gehalten hat, werden verschwimmen“, prophezeite er.

Im konkreten Fall, betonte er, habe sein Unternehmen jedoch lediglich eine Plattform erworben, die den Kontakt zu den Ärzten herstelle, und nicht die Leistungserbringer selbst in die Zur Rose-Gruppe integriert. Dennoch: Auch die Modellprojekte zur Grippeschutzimpfung in den Apotheken zeigten, dass man „eine offene Diskussion führen sollte“, meint Oberhänsli. Das Angebot müsse sich in Zukunft stärker am Nutzen für den Patienten orientieren als bisher.

Gegenwind für Oberhänsli

Dirk Düvel, Inhaber der wir-leben-Apotheken, warnte davor, an dieser traditionellen Trennung zu rütteln. Sie sei „extrem wichtig, auch im Sinne einer Anti-Korruptions-Hygiene“, widersprach er Oberhänsli. Er halte es für brandgefährlich, sie infrage zu stellen. „Apotheker und Ärzte sollten nicht in der gleichen Körperschaft sein“, unterstrich er.

Christian Buse, erster Vorsitzender des BVDVA, merkte an, das Edikt von Salerno sei „nicht falsch, nur weil es alt ist“. Es gelte jedoch, auch die aktuellen Entwicklungen im Blick zu behalten. Inzwischen gebe es schließlich auch Krankenhäuser in privater Hand, in denen sowohl angestellte Ärzte als auch Apotheker tätig seien. Das gehe aus seiner Sicht in eine ähnliche Richtung, konstatierte Buse.

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