Gesundheit

Placebos: Scheinmedikamente wirken auch wenn sie bewusst eingenommen werden – Heilpraxis

Placebos können auch bei bewusster Einnahme wirken

Ein Placebo ist eine Nachbildung eines Arzneimittels, das keine pharmakologisch wirksamen Stoffe enthält. Placebos werden im Rahmen von klinischen Studien zur Prüfung von Arzneimitteln eingesetzt. Wenn die Einnahme eines solchen Scheinmedikaments eine positive therapeutische Wirkung hat, wird von einem Placebo-Effekt gesprochen. Doch diese Mittel wirken auch, wenn sie bewusst eingenommen werden und die Einnehmenden vorab über diesen Effekt Bescheid wissen.

Placebos sind sogenannte „Scheinmedikamente“, die keinen Arzneistoff enthalten. Sie werden in wissenschaftlichen Studien eingesetzt, um die Wirksamkeit von Arzneimitteln zu überprüfen. In solchen Fällen wissen die Teilnehmenden nicht, ob sie ein Mittel mit oder ohne Wirkstoff einnehmen. Wirken sie sich positiv auf die Einnehmenden aus, ist vom sogenannten Placebo-Effekt die Rede. Doch diese Mittel funktionieren laut einer neuen Studie auch ohne Täuschung.

Starke Effekte auch bei wissentlicher Einnahme

Placebos kommen als Scheinmedikamente ohne pharmakologische Wirkstoffe in klinischen Studien häufig als Vergleichsgröße zum Einsatz. Dass sie überraschend starke Effekte erzielen können, selbst wenn die Studienteilnehmenden das Placebo wissentlich einnehmen, konnten Forschende aus dem Department für Psychische Erkrankungen des Universitätsklinikums Freiburg nun wissenschaftlich belegen.

Laut einer Mitteilung zeigte der systematische Vergleich von 13 Studien mit insgesamt mehr als 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen signifikanten Effekt bewusst eingenommener Placebos, solange diese von zusätzlichen Informationen flankiert wurden.

Die Metaanalyse wurde vor kurzem im Open-Access-Journal „Scientific Reports“ der Nature-Gruppe veröffentlicht.

Täuschung könnte unnötig sein

„Die bewusste Einnahme eines Placebos mag zwar etwas verrückt erscheinen, aber sie hat in diesen Studien gewirkt“, erklärt Prof. Dr. Stefan Schmidt, Leiter der Sektion Systemische Gesundheitsforschung an der Klinik für Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Und sie hat damit die gezielte Täuschung der Patientinnen und Patienten unnötig gemacht.

„Dass Placebos ohne pharmakologisch aktive Substanzen das Geschehen im Gehirn oder den Hormonhaushalt beeinflussen und erstaunliche Therapieerfolge erzielen können, wussten wir seit langem“, erläutert Schmidt.

Die Wirkung der Placebos wurde bisher jedoch der Erwartung der Patientinnen und Patienten an ein aktives Medikament zugeschrieben. Neuere klinische Studien lieferten aber erste Hinweise, dass die Täuschung über den fehlenden Inhalt des Placebos unnötig sein könnte.

Über prinzipielle Wirkung von Placebos informiert

Um die Wirkung offen verabreichter Placebos wissenschaftlich zu belegen, verglichen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer systematischen Übersichtsarbeit 13 randomisierte klinische Studien mit insgesamt 834 Patientinnen und Patienten.

Die in den einzelnen Studien behandelten Diagnosen reichten von Rückenschmerzen und Reizdarmsyndrom über Depression, Fatigue und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bis zu Heuschnupfen und Hitzewallungen.

Den Patientinnen und Patienten war offen mitgeteilt worden, dass sie ein Placebo erhalten. Darüber hinaus wurden sie über die prinzipielle Wirkung von Placebos informiert und um die regelmäßige Einnahme der Tabletten gebeten.

Laut Schmidt belegte die Metaanalyse der Studien die erstaunliche Wirkung: „Wir konnten erstmals wissenschaftlich gesichert zeigen, dass auch offen verabreichte Placebos wirksam sein können.“

Sollten offen verabreichte Placebos auch im Klinikalltag Anwendung finden, könnten sie anstelle der gezielten Täuschung zusätzliche Offenheit in die Beziehung zwischen Behandlerinnen beziehungsweise Behandler und Patientinnen beziehungsweise Patienten bringen. (ad)

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