Gesundheit

Tagelang vermisst: Familienvater hat nach Auftauchen keine Erinnerungen mehr

Fünf Tage war ein Familienvater aus Mönchengladbach spurlos verschwunden. Nun ist er zurück – scheint jedoch sein Gedächtnis verloren zu haben. Ein Schock für die Familie und ein Rätsel für die Neurologen.

Am 24. Januar schien alles noch ganz normal. Jürgen N. brach um sechs Uhr morgens zur Arbeit auf. Dort kam er allerdings nie an. Bei einer Suche fanden Helfer lediglich Mobiltelefon und Arbeitstasche des 55-Jährigen in seinem unverschlossenen Auto am Rande einer Bundesstraße.

Fünf Tage nach seinem Verschwinden, wird eine Frau in Hamburg auf den Vermissten aufmerksam und rief die Polizei. Jürgen N. schien verwirrt, berichtete die „WAZ“ und wurde sogleich in einem Krankenhaus medizinisch betreut. Der Mann sei gesund – allerdings könne er sich an nichts mehr erinnern und erkenne nicht einmal seine Familie. Ein Schock für diese und ein Rätsel für die Neurologen.

Kaum Anhaltspunkte – Ermittler und Familie sind ratlos

Auch die Ermittler sind ratlos. Sie fanden lediglich einen Kassenbon aus einem Supermarkt aus der Dortmunder Innenstadt in der Jackentasche des Familienvaters – das Datum darauf war der Tag seines Verschwindens. Ermittlungen der Familie zufolge soll er außerdem in der Nähe einen Kaffee getrunken haben.

Mehrere Menschen, darunter ein Mitarbeiter einer Obdachloseneinrichtung und ein Bahnangestellter, sollen sich zudem an den 55-Jährigen erinnern. Doch viele Anhaltspunkte sind dies nicht.

Verhalten des Vermissten passt nicht zu einem kompletten Gedächtnisverlust

Professor Richard Dodel, Chefarzt des Essener Geriatrie-Zentrums Haus Berge, erklärte: „Einkaufen ist eine komplexe Tätigkeit.“ Auch die Reise nach Hamburg erfordere „hohe kognitive Leistungen“. Dies würde dem Neurologen zufolge nicht zu einem kompletten Gedächtnisverlust passen.

Dodel hat mehrere Theorien für eine „globale“, also eine vollständige Amnesie: ein epileptischer Anfall beispielsweise, Durchblutungsstörungen im Gehirn oder auch ein massiver Einfluss von Alkohol oder Drogen. Letzteres müsse der Patient gar nicht bewusst oder selbst eingenommen haben. Dem Neurologen sind mehrere Fälle bekannt, in denen das Bewusstsein der Betroffenen für mehrere Stunden bis hin zu drei Tagen getrübt war. „Aber fünf Tage scheinen mir arg lang“, ergänzte Dodel.

Die Familie geht "von einem schweren Verbrechen aus"

Auch ein schwerer Schlag könnte, gemäß Dodel, den Gedächtnisverlust ausgelöst haben. Entsprechende Verletzungen wies der Familienvater allerdings nicht auf. Trotzdem geht die Familie „von einem schweren Verbrechen aus“ und erstattete bereits Anzeige wegen Freiheitsberaubung und schwerer Körperverletzung. Die Polizei Mönchengladbach ermittelt.

Da es jedoch wenig Anhaltspunkte gibt, setzt die Familie weiterhin auf Hinweise der Bevölkerung. „Jeder Tipp kann für uns wichtig sein, nur so können wir den mysteriösen Fall klären,“ schrieb der Sohn auf Facebook. „Wir hätten gerne eine Lösung.“

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