Gesundheit

„Überbetonung der Abiturnote wird verstärkt“

Vergangene Woche hatten die Kultusminister der Länder ihrenVorschlag für eine Reform der Hochschulzulassung für Medizin, Zahnmedizin,Tiermedizin und Pharmazie vorgestellt. Der Marburger Bund hat so einiges daranauszusetzen, unter anderem die Erhöhung der Abiturbestenquote. Das verstärkedie Überbetonung der Note heißt es. Insgesamtfehle den Kultusministern der Mut zu einer grundlegenden Reform.

Eine Erhöhung der Abiturbestenquote von 20 auf 30 Prozent,der Wegfall der Wartezeitquote und eine„zusätzliche Eignungsquote“ von 10 Prozent, anhand der Bewerber nur schulnotenunabhängigausgewählt werden und die unter anderem den Langzeitwartenden nützen soll: So lauten unter anderem die Vorschläge der Kultusministerkonferenz der Bundesländer (KMK)zur Neuregelung der Vergabe der Studienplätze im Zentralen Vergabeverfahren. Dasbetrifft neben Medizin, Zahnmedizin und Tiermedizin auch die Pharmazie. Amvergangenen Donnerstag hat das Gremium sich auf den Entwurf eines zwischen denLändern zu schließenden Staatsvertrags verständigt. Ganz freiwillig geschah das,zumindest was die Medizin betrifft, nicht. Das Bundesverfassungsgericht hatteeine Neuregelung gefordert, nachdem es zu dem Schluss gekommen war, dass diebundes- und landesgesetzlichen Vorschriften über das Verfahren zur Vergabe vonStudienplätzen an staatlichen Hochschulen im Fach Medizin zumindest teilweisemit dem Grundgesetz unvereinbar sind. Bis Ende 2019 wurde dem Gesetzgeber Zeitgegeben diese verfassungsrechtlichen Bedenken zu beseitigen. Dieser ist das Thema nunangegangen, und zwar nicht nur für die Medizin, sondern auch für dieZahn- und Tiermedizin sowie die Pharmazie.

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Beim Marburger Bund, der die Interessen der nicht-selbständigenÄrzte vertritt, kommen die Vorschläge jedoch nicht gut an. In einerPressemitteilung hat er seine Kritikpunkte veröffentlicht. So habe die Kultusministerkonferenzder Länder einen Formelkompromiss zustande gebracht, wo einheitliche,strukturierte und transparente Vorgaben notwendig gewesen wären, kritisiert VictorBanas, Vorsitzender des Sprecherrates der Medizinstudierenden im Marburger Bund.Besonders enttäuschend findet es der Ärzteverband, dass er keine Bereitschaft erkennt,dass die Länder die Anzahl der Studienplätze im Fach Medizin merklich erhöhenwollen.

Außerdem stört sich der Marburger Bund daran, dass dieAbiturbestenquote erhöht werden soll. Damit werde die Überbetonung der Abiturnote noch weiterverstärkt Man hab sich immer dafür ausgesprochen, den Kriterien der Berufseignunggrößeres Gewicht zu geben, heißt es. Wie das aussehen könnte, dazu hat Banasauch einen Vorschlag. Man hätte die bisherigen Hauptquoten zu einerneuen Hauptquote zusammenführen können. In dieser neuen Quote wären die Ergebnisse des Schulabschlusses niedrigerals bisher zu gewichten und weitere Auswahlkriterien mit entsprechenderAussagekraft, wie beispielsweise Sozialkompetenz und Motivation, stärker undmöglichst bundeseinheitlich zu berücksichtigen. Es wäre in den Augen desVorsitzenden des Sprecherrates besser gewesen, wenn die Kultusminister dazu denMut gehabt hätten.

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