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Alternativen zu Sprays: Was gegen eine trockene Nase hilft

SPIEGEL: Herr Deitmer, die Nase ist eigentlich dafür verantwortlich, die Atemluft zu filtern und Krankheitserreger sowie Pollen und Staub abzufangen. Vor allem im Herbst und Winter aber sind die Schleimhäute oft trocken, die Nase juckt und ist dann verstopft. Warum?

Professor Dr. Thomas Deitmer, Jahrgang 1954, war von 1996 bis 2019 Direktor der HNO-Klinik am Klinikum Dortmund. Seit 2019 arbeitet er als Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie.

Thomas Deitmer: Das liegt meist an externen Ursachen wie trockener Heizungsluft oder an Räumlichkeiten mit einer geringen Luftfeuchtigkeit – in Flugzeugen zum Beispiel. Die Luft wird dort extra trocken gehalten, damit die feuchte Luft nicht an den Wänden der Kabine kondensiert. Wer lange fliegt, bekommt eine trockene Nase, weil der Körper die Feuchtigkeit an die Umgebung abgibt. In der Nase ist das wiederum schlecht für die Abwehr von Erregern.

SPIEGEL: Was können wir zu Hause gegen trockene Luft tun?

Deitmer: Ein netter Tipp sind immer Grünpflanzen. Die sind oft besser als Luftbefeuchter, denn die müssen ordnungsgemäß betrieben und gereinigt werden. Sonst bildet sich ein Bakterienreservoir im Gerät und die Bakterien werden dann durch die Luft gewirbelt. Ansonsten hilft Stoßlüften.


SPIEGEL: Oft wird auch zu Nasensprays gegriffen, um die Beschwerden zu lindern. Wie sinnvoll ist das?

Deitmer: Das sind immer individuelle Lösungen. Wenn ein Nasenspray benutzt werden soll, dann am besten ein isotonisches, salzhaltiges. Das entspricht dem extrazellulären Milieu der Nasenschleimhaut. Klassischerweise wären das Lösungen mit etwa neun Gramm Kochsalz pro Liter. Ob das Spray allerdings aus Meersalzwasser besteht oder aus einer Quelle wie Bad Ems, ist wissenschaftlich gesehen unerheblich. Allerdings ist auch hier eine richtige Handhabung empfehlenswert. Es gibt Sprühflaschen, die haben bereits eine Technik integriert, die verhindert, dass sich der Inhalt der Sprühflasche mit Bakterien besiedeln kann. Oder aber man nimmt ein Sprühfläschchen, das ein Konservierungsmittel enthält – dieses kann allerdings für die Schleimhaut schädlich sein. Es gibt auch hypertonische Spraylösungen, die eine abschwellende Wirkung haben, die aber eher nur prophylaktisch genommen werden sollten.

SPIEGEL: Weil sie sonst süchtig machen? Diese Vorstellung hält sich hartnäckig.

Deitmer: Diese Warnung bezieht sich vor allem auf klassische abschwellende Nasensprays mit Inhaltsstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin, die bei Schnupfen verwendet werden. Diese Sprays haben, wenn man sie wochenlang verwendet, eine Gewöhnungswirkung, von Sucht will ich nicht sprechen. Der Effekt ist, dass die Nase durch die abschwellenden Substanzen zu trocken wird und die gewünschte Wirkung, also das Abschwellen der Nasenschleimhäute und -muscheln, nach einer gewissen Zeit eben nicht mehr eintritt. Wenn man eine Woche oder ein paar Tage länger solche abschwellenden Sprays nimmt, wird es kaum schädlich sein. Man muss sie aber dann eben wieder absetzen.

SPIEGEL: Was bringen Nasenspülungen?

Deitmer: Wenn die Nase trocken ist, bilden sich oft Krusten, die sich nicht allein mithilfe von Nasensprays lösen lassen. Eine Nasenspülung könnte hier Abhilfe schaffen. Es gab mal die Empfehlung, täglich die Nase zu spülen, um Nase und Nebenhöhlen gesund zu halten. Eine solche prophylaktische Spülung ist nicht zu empfehlen, aber bei Krankheitssymptomen kann es helfen. Allerdings bitte auch hier mit isotoner Lösung.

SPIEGEL: Durch die Trockenheit in der Nasenschleimhaut entstehen Krusten, die oft mechanisch mit dem Finger versucht werden zu entfernen.

Deitmer: Sie meinen „popeln“.

SPIEGEL: Genau.

Deitmer: Es ist nicht nur unanständig, sondern es ist auch schlecht. Man kommt mit dem Finger in der Nase nur ungefähr einen Zentimeter weit. Dort befindet sich im Grunde noch gar keine richtige Schleimhaut, sondern nur Haut. Wenn man versucht, die Borken mit dem Finger zu lösen, kann man in der Nase schon etwas verletzen. Es kann zu Nasenbluten kommen, und auch die Haut vorne in der Nase wird immer wieder gereizt.


SPIEGEL: Was ist besser?

Deitmer: Man nimmt ein bisschen Nasensalbe. Oft haben Salben eine kleine Spitze vorne zur Applikation. Sonst geht es auch, sich ein bisschen Salbe auf den kleinen Finger zu geben und außerhalb der Öffentlichkeit in die Nase zu applizieren – oder mit einem kurz gefassten Wattestäbchen. Ein Nasenöl ist dann eher sinnvoll, wenn es tiefer wirken soll. Öle mit einer Pipette müssen in die Nase eingebracht werden, und dann muss man unmittelbar danach die Nase kräftig hochziehen, denn sonst bleibt das Öl nur vorne in der Nase oder läuft auf dem Nasenboden nach hinten. Alternativ müssten Sie sich zwischendurch in einen Kopfstand begeben.

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