Persönliche Gesundheit

Ansteckung, Einsamkeit, Jobverlust: Kehren Sie Ihre Pandemie-Angst ins Positive!

Die anhaltende Corona-Pandemie schürt diverse Ängste – vor einer Ansteckung, vor Einsamkeit, vor finanziellem Ruin. Wie Sie nicht daran zerbrechen, sondern die Angst als treibende Kraft nutzen können.

Viele Menschen haben in der Pandemie Angst, sich mit dem Virus anzustecken. Andere haben Angst um ihre alten Eltern, dass sie an Corona sterben könnten. Wieder andere sind voller Angst, ob sie wirtschaftlich überleben oder ihr Restaurant, ihr Geschäft, ihre künstlerische Tätigkeit aufgeben müssen. Es hat keinen Sinn, die Angst zu verdrängen. Je mehr wir die Angst verdrängen oder sie bekämpfen, desto stärker wird sie.

Wir können die Angst nur verwandeln, wenn wir mit ihr ein Gespräch führen, sie befragen, was sie uns sagen will. Angst hat immer auch einen Sinn. So sollten wir nach ihrem Sinn fragen.

Anselm Grün wurde 1945 geboren. Er ist Mönch der Benediktinerabteil Münsterschwarzach und Buchautor. Die zahlreichen Publikationen des Theologen erscheinen weltweit in mehr als 30 Sprachen. Themen seiner Schriften sind unter anderem Spiritualität, Psychologie, Glück und Lebenslust.

Haben Sie Angst, selbst an Covid-19 zu erkranken?

Die Angst, selber krank zu werden, ist ja berechtigt. Wir haben keine Garantie, dass wir immer gesund bleiben. Die Angst möchte mich einladen, mich auszusöhnen mit der Tatsache, dass ich endlich bin. Und sie lädt mich ein, mich mit meiner Angst, krank zu werden, unter den Segen Gottes zu stellen. Ich habe keine Garantie für meine Gesundheit. Aber ich darf vertrauen, dass Gottes Segen wie ein schützender Mantel um mich herum ist und mich vor der Krankheit bewahrt.

Ähnlich ist es mit der Angst vor dem Tod. Wenn ich mir eingestehe: Ja, ich könnte sterben, dann sollte ich mich ganz auf den Augenblick einlassen. Der Gedanke an den Tod soll uns keine Angst machen, sondern unser Leben intensivieren. Jedes Gespräch könnte das letzte sein. Daher lasse ich mich ganz auf das Gespräch ein. Ich genieße die Begegnung mit einem Freund oder einer Freundin. Ein alter Mönch wurde einmal gefragt, warum er keine Angst habe. Er antwortete, weil er sich täglich den Tod vor Augen hält. Wer sich seiner Sterblichkeit bewusst ist, der lebt bewusster, gelassener und freier.

Angst als treibende Kraft nutzen

Die Angst ist einmal die Einladung, sich frei zu machen von falschen Einstellungen zum Leben und von maßlosen Selbstbildern, als ob ich immer alles im Griff haben müsste. Zum anderen ist sie eine Herausforderung, auf neue Weise über mein Leben und meine Zukunft nachzudenken. Wenn ich den Sinn meiner Angst erkenne, dann lähmt sie mich nicht mehr, sondern treibt mich an, nach vorne zu sehen.

Die Pandemie konfrontiert uns aber nicht nur mit Ängsten. Sie ist durchaus auch eine Lehrmeisterin für das Leben. Sie lehrt uns, uns die eigenen Grenzen zu akzeptieren. Psychologen sprechen vom entgrenzten Menschen, der alle Grenzen leugnet und sich in eine selbstgemacht virtuelle Welt flüchtet. Doch die Entgrenzung führt zur Abhängigkeit. Wir sollten die eigenen Grenzen wahrnehmen, aber auch die Grenzen unseres Wirtschaftens, die Grenzen in unserem Umgang mit der Natur. Die Natur setzt uns Grenzen, die wir ernst zu nehmen haben. Der Klimawandel zeigt uns, dass die Grenzenlosigkeit auf unser Leben zurückschlägt und uns dann sehr enge Grenzen aufzwingt.

Pandemie lehrt uns Solidarität

Die Pandemie hat uns vor Augen geführt, dass wir alle zusammenhängen und aufeinander angewiesen sind. Wir können einander mit dem Virus anstecken. Wir können aber auch die Menschen um uns herum mit unserem inneren Frieden beeinflussen. Wir sind verantwortlich, mit welcher inneren Haltung wir jeden Morgen aufstehen und in die Arbeit gehen, ob mit Unzufriedenheit, Ärger, Angst, Unlust oder aber mit Wohlwollen, Vertrauen und Hoffnung. Wir graben täglich unsere Lebensspur in diese Welt ein. Und wir sind verantwortlich, ob wir eine bittere, pessimistische, aggressive Spur eingraben, oder eine Spur der Zuversicht, der Barmherzigkeit und der Liebe.

Die Pandemie lehrt uns, dass wir nur gut leben können, wenn wir solidarisch sind. Es genügt nicht, nur an sich und das eigene Wohl zu denken. Alle unsere Entscheidungen, unser Lebensstil, unsere innere Einstellung hat Auswirkungen auf die ganze Welt. So sind wir mit unseren Entscheidungen – wie der Philosoph Hans Jonas sagt – immer auch verantwortlich für die Zukunft dieser Welt. In seinem philosophischen Werk „Verantwortung“ gibt Hans Jonas als Grundsatz für unser Handeln an: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“

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Corona-Pandemie zeigt uns unsere Grenzen auf

Und die Pandemie fordert uns auf, uns unserer Grenzen bewusst zu werden, der persönlichen Grenzen, aber auch der Grenzen der Wissenschaft, der Grenzen unserer Medizin und der Grenzen unseres Wirtschaftens. Wir haben neu erkannt, dass wir weder unser Leben noch die Welt beherrschen können. So gilt es, vom homo faber, vom Machertyp Abschied zu nehmen.

Max Frisch hat in seinem berühmten Roman  „Homo faber“ dazu Gedanken geäußert, die uns die Pandemie neu bestätigt. Frisch meint, die Technik sei der „Kniff, die Welt so einzurichten, dass wir sie nicht erleben müssen. Manie des Technikers, die Schöpfung nutzbar zu machen, weil er sie als Partner nicht aushält, nichts mit ihr anfangen kann; Technik als Kniff, die Welt als Widerstand aus der Welt zu schaffen, beispielsweise durch Tempo zu verdünnen, damit wir sie nicht erleben müssen.“

Und er meint, mit dieser Gesinnung des Machers erliegen wir dem Irrtum, „dass wir Techniker versuchen, ohne den Tod zu leben“. Wir sollen die Technik nicht verteufeln. Wir brauchen sie heute notwendiger denn je, um die Probleme unserer Welt – gerade im Hinblick auf die Pandemie und auf den Klimawandeln – aber wir sollten auch um ihre Gefährdung wissen.

Die Welt ist nicht ein Objekt, das wir beherrschen. Sie leistet uns Widerstand. Und in aller Demut müssen wir mit diesem Widerstand rechnen. Dann werden wir behutsamer mit uns und mit der Welt umgehen. Wenn wir fähig werden, die Welt zu erleben, ihre Schönheit wahrzunehmen, dann werden wir von alleine achtsam im Umgang mit ihr.

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