Persönliche Gesundheit

Bidens Milliardenplan könnte bald auch deutsche Krebspatienten retten

Im Jahr 2015 starb Joe Bidens Sohn Beau an einem Hirntumor. Mit seinem Milliardenprogramm gegen Krebs könnte der US-Präsident nun bald deutschen Tumorpatienten das Leben retten.

Krebsprognosen sagen eine besorgniserregende Entwicklung voraus: Weltweit wird sich die Zahl der Krebsneuerkrankungen in den nächsten 20 Jahren verdoppeln; in Deutschland wird sie laut Bundesregierung bis Ende des Jahrzehnts um 20 Prozent steigern. Die bereits zweithäufigste Todesursache unserer Gesellschaft breitet sich aus.

Hoffnung, diese Ausbreitung einzudämmen, schürt der von US-Präsident Joe Biden ausgerufene „Cancer Moonshot“ (dt.: Krebs-Mondprogramm). In namentlicher Anlehnung an das ehrgeizige Mondprogramm der 1960er-Jahre soll der ähnlich ambitionierte Cancer Moonshot die Todesfälle durch Krebs binnen 25 Jahren um mindestens 50 Prozent senken.

1,5 Milliarden US-Dollar stellt das Weiße Haus für das Projekt bereit. Es soll Forscher und Geldgeber vernetzen, bestehen Anti-Krebs-Projekte bündeln und Projekten Geld bereitstellen. Die Menschen in Deutschland profitieren auf drei Wegen von Bidens Moonshot:

1. Mehr Geld, bessere Bedingungen für die Krebsforschung hierzulande

Bidens Moonshot soll Krebs-Todesfälle vermeiden, indem er Patienten besser versorgt, vermeidbare Tumore durch Aufklärung und Früherkennung verhindert und die Forschung befeuert. Den letzten Punkt nutzen auch deutsche Unternehmen.

Der Leverkusener Pharmakonzern Bayer hat 140 Millionen Dollar in ein Forschungszentrum bei Boston investiert, wo 100 Forscher Medikamente gegen Krebs entwickeln sollen. Zudem kaufte Bayer für Milliarden Dollar US-Unternehmen, die an Krebstherapien forschen.

„Deutschland fehlt das Ökosystem, das wir in den USA vorfinden“, sagte Bayer-CEO Werner Baumann dem Handelsblatt. Kluge Köpfe gebe es zwar auch hier, es fehlten aber Geldgeber und andere junge Unternehmen im gleichen Geschäftsfeld. Weil Bidens Cancer Moonshot zudem die Bürokratie für Krebsforscher abbaut, böten die USA derzeit den besseren Forschungsstandort. Auch deutsche Unternehmen nutzen diesen Vorteil.

Getrieben vom Vorbild der USA verbessert sich aber auch die Forschungslage in Deutschland. Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) rief Pharmaunternehmen anlässlich des Weltkrebstages am Samstag, 4. Februar, zu einer „Grand Challenge“ gegen Krebs auf. Sie will vier Forschungszentren ausbauen, Geld bereitstellen und Forschungsverbünde stärken. Die EU präsentierte fast zeitgleich „Europas Plan gegen den Krebs“ mit ähnlichen Maßnahmen wie Bidens Moonshot.

Die gute Nachricht für Deutschland: Bundesrepublik und EU lernen von den Erfolgen der USA und ziehen nach. Das dürfte die Krebsforschung hierzulande antreiben.

2. Mehr Risiko-Geldgeber

Krebsforschung verschlingt viel Geld, bringt aber nicht zwangsläufig Gewinne: Scheitert die Behandlung vor der Marktreife, bleiben nur Verluste. In den USA sitzen deutlich mehr Kapitalgeber, die dennoch in hochriskante Pharmaprojekte investieren. Manche liefern Fachwissen und hochqualifizierte Angestellte mit. Ein enormer Vorteil für Forschungsprojekte in der Frühphase.

 „Die Krankheit Krebs ist eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Die USA gehen voran, sie zu besiegen“, sagt Julie Grant vom Risikokapitalgeber Canaan aus Kalifornien dem Handelsblatt. Während in Europa staatliche Strukturen die Krebsforschung dominierten, stellten in den USA meist Investoren das Geld und verlangten im Gegenzug zählbare Erfolge. Auch das fördere die Forschung.

US-Geldgeber schauen sich auch hierzulande um. Grant sagt, die Bundesrepublik böte gut geführte, junge Unternehmen mit guten Talenten. Demnächst fliegt sie nach Frankfurt, um einige Investitionsziele zu besuchen. Namen nennt sie noch nicht.

Die gute Nachricht für Deutschland: Deutsche Pharmaunternehmen finden dank der US-Geldgeber leichter Finanzierungen und bringe Ihre Produkte dadurch eher an den Markt.

3. Krebsmedikamente retten Kindern das Leben

Indem Bidens Moonshot die Erforschung seltener Krebsarten fördert, könnte er vielen Kindern das Leben retten. Bislang beenden Pharmakonzerne selbst vielversprechende Forschungen zu Tumoren bei den Jüngsten, weil Kinder nur ein Prozent aller Krebspatienten ausmachen, sagt Sam Blackman vom Start-up Day One Biopharmaceuticals aus San Francisco dem Handelsblatt. Hohes Risiko, wenig Ertrag – lohnt sich nicht.

Blackman, früher Kinderarzt, kauft mit Day One diese Forschungen auf und führt sie weiter. Bidens Moonshot finanziert das Geschäftsmodell mit und liefert durch die Vernetzung Geldgeber. Julian Grant und Canaan haben bereits investiert.

Unlängst präsentierte Day One ein Medikament, das bei neun von zehn Kindern Tumore am Wachstum hinderte. Bei der Hälfte schrumpften sie, bei einigen verschwanden sie. Diese Forschungen könnten auch jungen Patienten in Deutschland das Leben retten.

Gut möglich, dass die Medikamente dann sogar von deutschen Unternehmen hergestellt werden. Day One kann die internationale Vermarktung nicht selbst stemmen. Deutsche Pharmakonzerne bieten sich als Partner an – und haben wohl gute Chancen, weil die Bundesrepublik bei der Entwicklung der Behandlung laut Blackman mithalf: „Ohne die Krebsspezialisten Olaf Witt und Cornelis van Tilburg vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg wären wir nicht da, wo wir heute sind.“

Die gute Nachricht für Deutschland: In Deutschland an Krebs erkrankte Kinder, für die ihr Tumor derzeit ein Todesurteil darstellt, könnten bald mithilfe Medikamente überleben, die in Deutschland mitentwickelt und hergestellt wurden.

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